Das Innere Team im Online Coaching: Innere Stimmen und Konflikte digital sichtbar machen

„Soll ich kündigen?“
Auf den ersten Blick ist das eine einzige Frage.
Innerlich können darauf jedoch sehr unterschiedliche Antworten entstehen.
Der Abenteurer ruft:
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“
„Auf zu neuen Ufern!“
Der Sicherheitsbeauftragte hält dagegen:
„Du kannst froh sein, einen sicheren Job zu haben.“
„Ohne ein festes Einkommen wird es eng in der Familienkasse.“
Wer hat recht?
Vielleicht beide.
Genau hier setzt die Arbeit mit dem Inneren Team an. Unterschiedliche innere Stimmen werden sichtbar, bekommen einen Namen, eine Position und eine Stimme.
In coachingspace kann das Innere Team auch im virtuellen Coachingraum aufgestellt und gemeinsam bearbeitet werden. Eine neue Erweiterung ermöglicht es nun, einem inneren Anteil mehrere einzelne Sprechblasen zuzuordnen.
Das klingt zunächst nach einer kleinen technischen Veränderung.
Methodisch steckt darin jedoch eine spannende Frage:
Wann hat ein innerer Anteil mehrere Dinge zu sagen und wann spricht eigentlich schon ein neues Mitglied des Inneren Teams?
Was ist das Innere Team?
Das Modell des Inneren Teams wurde von Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Es geht davon aus, dass Menschen in vielen Situationen unterschiedliche innere Stimmen erleben.
Eine Stimme sagt:
„Mach es!“
Eine andere warnt:
„Sei vorsichtig.“
Eine dritte erinnert:
„Denk auch an die anderen.“
Und irgendwo meldet sich vielleicht noch eine leisere Stimme:
„Was möchtest du eigentlich selbst?“
Gerade bei schwierigen Entscheidungen, Konflikten oder Veränderungsprozessen können unterschiedliche innere Positionen gleichzeitig aktiv sein.
Das bedeutet nicht, dass ein Mensch nicht weiß, was er will. Häufig wissen unterschiedliche Teile einer Person ziemlich genau, was sie wollen. Sie wollen nur nicht unbedingt dasselbe.
Aus dem Satz:
„Ich kann mich einfach nicht entscheiden.“
kann im Coaching deshalb eine differenziertere Betrachtung entstehen:
„Ein Teil von mir möchte etwas verändern.“
„Ein anderer Teil möchte Sicherheit.“
„Und wieder ein anderer möchte niemanden enttäuschen.“
Durch die Arbeit mit dem Inneren Team wird aus einem zunächst diffusen inneren Konflikt eine sichtbare und bearbeitbare innere Dynamik.
Das Innere Team digital weiterdenken
Die digitale Umsetzung des Inneren Teams in coachingspace entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Dabei freuen wir uns besonders über die Zusammenarbeit mit dem Schulz von Thun Institut, das uns bei der Weiterentwicklung beratend zur Seite steht.
Gemeinsam bieten wir außerdem Workshops zur Arbeit mit dem Inneren Team in coachingspace an. Dabei verbinden sich die fachliche Tiefe und methodische Tradition des Modells mit den Möglichkeiten eines interaktiven virtuellen Beratungsraums.
Denn auch im Online Coaching muss die Arbeit mit dem Inneren Team nicht auf ein Gespräch oder eine zweidimensionale Darstellung beschränkt bleiben.
Die einzelnen inneren Anteile können im virtuellen Raum aufgestellt, benannt, positioniert und mit ihren Aussagen versehen werden.
Das Innere Team wird damit nicht nur besprochen.
Es wird sichtbar und gemeinsam bearbeitbar.
Das Innere Team im virtuellen Coachingraum aufstellen
Die Arbeit beginnt häufig mit einer konkreten Frage.
Zum Beispiel:
Soll ich meinen Arbeitsplatz wechseln?
Wie möchte ich mich in diesem Konflikt verhalten?
Warum fällt es mir so schwer, Nein zu sagen?
Wie möchte ich als Führungskraft auftreten?
Was hält mich davon ab, eine Entscheidung zu treffen?
Anschließend wird untersucht, welche inneren Stimmen sich zu dieser Frage melden.
Dabei können sehr unterschiedliche Teammitglieder sichtbar werden:
der Abenteurer
die Vorsichtige
der Perfektionist
die Mutige
der Antreiber
die Harmoniebedürftige
der Sicherheitsbeauftragte
die Kritikerin
der erfahrene Profi
Wichtig ist dabei: Das Innere Team ist keine vorgefertigte Typologie.
Die Namen und Bedeutungen der einzelnen Teammitglieder entstehen aus dem individuellen Erleben der Klientin oder des Klienten.
Jeder Mensch stellt sein eigenes Inneres Team zusammen.
Warum innere Stimmen visualisieren?
Solange unterschiedliche Gedanken ausschließlich im Kopf stattfinden, können sie schwer voneinander zu unterscheiden sein.
Alles spricht gleichzeitig.
Durch die Visualisierung können die einzelnen Stimmen zunächst voneinander getrennt und anschließend miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Im virtuellen Raum entstehen dabei zusätzliche Fragen:
Welcher Anteil steht ganz vorne?
Wer steht im Hintergrund?
Welche Stimme ist besonders präsent?
Wer steht nah an der Person?
Welche Anteile stehen miteinander in Verbindung?
Wer wird kaum gehört?
Welcher Anteil nimmt besonders viel Raum ein?
Wer fehlt möglicherweise noch?
Die räumliche Anordnung ist dabei nicht nur Dekoration.
Sie kann selbst Teil des Coachingprozesses werden.
Neu: Mehrere Sprechblasen für einen inneren Anteil
In coachingspace können die Aussagen der inneren Teammitglieder mithilfe von Sprechblasen direkt sichtbar gemacht werden.
Bisher konnte einem Anteil jeweils eine Sprechblase zugeordnet werden.
Jetzt können einem inneren Teammitglied mehrere einzelne Sprechblasen gegeben werden.
Denn manchmal hat ein innerer Anteil tatsächlich mehr als einen Satz zu sagen.
Der Abenteurer in unserem Beispiel sagt:
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“
und:
„Auf zu neuen Ufern!“
Beide Aussagen liegen inhaltlich nah beieinander.
Sie drücken Aufbruch, Veränderungsbereitschaft und die Bereitschaft aus, ein Risiko einzugehen.
Es kann deshalb sinnvoll sein, beide Aussagen demselben inneren Anteil zuzuordnen.
Doch ganz so einfach ist es nicht immer.
Eine Stimme, mehrere Aussagen oder doch ein neuer innerer Anteil?
Die Möglichkeit mehrerer Sprechblasen eröffnet neue Freiheiten. Gleichzeitig stellt sie Coaches und Klientinnen und Klienten vor eine methodisch interessante Frage:
Gehören diese Aussagen tatsächlich zu demselben inneren Anteil?
Oder meldet sich hier möglicherweise bereits ein weiteres Mitglied des Inneren Teams?
Schauen wir noch einmal auf das Beispiel zur Frage:
„Soll ich kündigen?“
Der Sicherheitsbeauftragte sagt:
„Du kannst froh sein, einen sicheren Job zu haben.“
und:
„Ohne ein festes Einkommen wird es eng in der Familienkasse.“
Beide Aussagen können durchaus zum Sicherheitsbeauftragten gehören.
Sein Anliegen könnte darin bestehen, Stabilität zu erhalten, Risiken zu begrenzen und die Person vor den möglichen Folgen einer vorschnellen Entscheidung zu schützen.
Gleichzeitig könnte die zweite Aussage aber auch ein Hinweis darauf sein, dass sich ein weiterer Anteil meldet.
Vielleicht ein Kassenwart, der speziell die finanzielle Situation der Familie im Blick hat.
Und genau diese Frage kann bereits Teil des Coachings sein:
Ist das noch dieselbe Stimme?
Hat dieser Anteil mehrere Argumente?
Oder hören wir hier eigentlich jemanden Neues?
Nicht jede Aussage braucht automatisch einen eigenen Anteil
Eine mögliche Konsequenz wäre, für jede neue Nuance einen weiteren inneren Anteil aufzustellen.
Aus dem Sicherheitsbeauftragten wird dann vielleicht zusätzlich ein Kassenwart. Danach meldet sich möglicherweise noch ein Familienversorger. Und schließlich ein Zukunftsplaner.
Das kann sinnvoll sein, wenn diese Stimmen tatsächlich unterschiedliche Anliegen, Bedürfnisse oder Funktionen vertreten.
Es kann die Aufstellung aber auch unnötig komplex machen.
Wenn für jede einzelne Aussage sofort ein neues Teammitglied entsteht, wird das Innere Team schnell groß und unübersichtlich. Die Aufmerksamkeit kann sich dann zunehmend auf die Frage richten, wie viele Anteile noch gefunden werden können, statt auf die eigentliche Coachingfrage.
Manchmal ist die wichtigere Frage:
Was braucht der Sicherheitsbeauftragte?
Was müsste passieren, damit er einer beruflichen Veränderung zustimmen könnte?
Welche Sicherheit wäre notwendig?
Welche Informationen fehlen ihm?
Unter welchen Bedingungen könnte er dem Abenteurer etwas mehr Raum geben?
Vielleicht braucht es dafür einen eigenen Kassenwart.
Vielleicht aber auch nicht.
Die Technik nimmt die methodische Entscheidung nicht ab
Genau darin liegt ein wichtiger Punkt.
Die Möglichkeit, mehrere Sprechblasen zu verwenden, bedeutet nicht, dass ein Anteil grundsätzlich möglichst viele Aussagen bekommen sollte.
Ebenso wenig bedeutet die Methode, dass jede neue Aussage zwingend einen neuen Anteil benötigt.
Coaches und Klientinnen und Klienten können entscheiden, wie differenziert sie das Innere Team darstellen möchten.
Manche arbeiten möglicherweise bewusst sehr klar mit einer zentralen Aussage pro Anteil.
Andere möchten einem Teammitglied mehrere inhaltlich zusammengehörende Botschaften zuordnen.
Beides ist möglich.
Entscheidend ist ein wachsamer Blick auf den Prozess.
Mehrere Sprechblasen können einen Anteil differenzierter sichtbar machen. Sie können aber auch ein Hinweis darauf sein, dass ein bisher noch nicht erkannter Anteil an die Tür klopft.
Die technische Möglichkeit schafft Freiheit.
Die methodische Entscheidung bleibt Teil des Coachings.
Ein Praxisbeispiel: Soll ich kündigen?
In unserem Beispiel beschäftigt eine Person die Frage:
„Soll ich kündigen?“
Zwei innere Teammitglieder werden zunächst besonders deutlich.
Der Abenteurer
Er sagt:
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“
„Auf zu neuen Ufern!“
Sein Anliegen ist klar.
Er möchte Veränderung.
Er sieht Möglichkeiten.
Er möchte nicht aus Angst vor Unsicherheit in einer unbefriedigenden Situation bleiben.
Der Sicherheitsbeauftragte
Er sagt:
„Du kannst froh sein, einen sicheren Job zu haben.“
„Ohne ein festes Einkommen wird es eng in der Familienkasse.“
Auch sein Anliegen ist nachvollziehbar.
Er möchte nicht verhindern, dass sich etwas verändert.
Vielleicht möchte er vielmehr verhindern, dass die Veränderung unüberlegt geschieht.
Plötzlich lautet die Frage nicht mehr nur:
„Soll ich kündigen oder nicht?“
Stattdessen können neue Fragen entstehen:
Was braucht der Abenteurer?
Was braucht der Sicherheitsbeauftragte?
Was möchte jeder von ihnen für die Person erreichen?
Wovor möchte der Sicherheitsbeauftragte schützen?
Was befürchtet der Abenteurer, wenn alles so bleibt, wie es ist?
Unter welchen Bedingungen könnten beide einer gemeinsamen Lösung zustimmen?
Vielleicht lautet die Lösung nicht:
„Sofort kündigen.“
Und auch nicht:
„Auf jeden Fall bleiben.“
Vielleicht entsteht eine dritte Möglichkeit:
„Ich beginne aktiv mit der Suche nach einer neuen Stelle und kündige erst, wenn eine tragfähige Alternative vorhanden ist.“
Der innere Konflikt muss dann nicht dadurch gelöst werden, dass ein Teammitglied gewinnt.
Möglicherweise entsteht eine Lösung, in der die wichtigen Anliegen mehrerer innerer Stimmen berücksichtigt werden.
Vom inneren Gegeneinander zum inneren Dialog
Das Ziel der Arbeit mit dem Inneren Team besteht nicht zwangsläufig darin, einzelne Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Auch unangenehme oder störende innere Anteile können eine wichtige Funktion haben.
Der innere Kritiker möchte vielleicht vor Ablehnung schützen.
Die Vorsichtige möchte Risiken begrenzen.
Der Antreiber möchte Erfolg ermöglichen.
Die Harmoniebedürftige möchte Beziehungen erhalten.
Der Sicherheitsbeauftragte möchte Stabilität gewährleisten.
Im Coaching kann deshalb untersucht werden:
Was ist die positive Absicht dieses Anteils?
Wovor möchte er schützen?
Was braucht er?
Welche anderen Teammitglieder sollten stärker gehört werden?
Welche Stimmen könnten miteinander kooperieren?
Wer sollte in der aktuellen Situation die innere Führung übernehmen?
So kann aus einem inneren Gegeneinander schrittweise ein innerer Dialog entstehen.
Die räumliche Anordnung als Teil der Coachingarbeit
Im virtuellen Coachingraum können nicht nur die Aussagen der inneren Teammitglieder verändert werden.
Auch ihre Positionen können Teil des Prozesses sein.
Was passiert, wenn ein sehr dominanter Anteil etwas weiter nach hinten tritt?
Was verändert sich, wenn eine bisher kaum gehörte Stimme näherkommt?
Welche Anteile sollten nebeneinanderstehen?
Wer braucht mehr Abstand?
Welches Teammitglied sollte in einer bestimmten Situation vorne stehen?
Wie sieht eine hilfreiche neue Aufstellung des Inneren Teams aus?
Dadurch kann neben dem aktuellen Bild auch ein mögliches Zielbild entstehen.
Die Klientin oder der Klient betrachtet dann nicht nur die gegenwärtige innere Situation, sondern kann eine andere innere Ordnung ausprobieren.
Das Innere Team im Führungskräftecoaching
Die Methode eignet sich besonders für die Arbeit mit Führungskräften.
Führung ist häufig von widersprüchlichen Anforderungen geprägt.
Eine Führungskraft möchte klar entscheiden und gleichzeitig beteiligen.
Sie möchte Verantwortung übernehmen und gleichzeitig Verantwortung abgeben.
Sie möchte Veränderungen vorantreiben und gleichzeitig Sicherheit geben.
Sie möchte Nähe ermöglichen und gleichzeitig professionelle Distanz wahren.
In solchen Situationen können unterschiedliche innere Stimmen sichtbar werden:
„Ich muss jetzt eine klare Entscheidung treffen.“
„Ich möchte niemanden übergehen.“
„Ich darf keine Unsicherheit zeigen.“
„Eigentlich weiß ich selbst noch nicht, was richtig ist.“
Das Innere Team kann helfen, diese unterschiedlichen Anforderungen zu sortieren und eine stimmige innere Führungsposition zu entwickeln.
Das Innere Team im Konfliktcoaching
Auch in Konflikten kann die Methode hilfreich sein.
Menschen erleben häufig gleichzeitig unterschiedliche Impulse:
„Ich möchte endlich meine Meinung sagen.“
„Ich will den Konflikt nicht eskalieren lassen.“
„Ich möchte verstanden werden.“
„Eigentlich möchte ich einfach nur meine Ruhe.“
Wenn diese Stimmen sichtbar werden, kann genauer untersucht werden, welche Bedürfnisse und Befürchtungen hinter dem eigenen Verhalten stehen.
Das kann eine wichtige Vorbereitung auf ein schwieriges Gespräch sein.
Das Innere Team mit anderen Coachingmethoden kombinieren
Die Arbeit im virtuellen Raum ermöglicht es, das Innere Team mit weiteren Methoden zu verbinden.
Moderationskarten können beispielsweise Werte, Bedürfnisse oder zentrale Fragen sichtbar machen.
Weitere Figuren können relevante Personen aus dem äußeren System darstellen.
Ringe oder andere räumliche Elemente können Zugehörigkeiten und Grenzen markieren.
Dadurch kann untersucht werden:
Welcher innere Anteil reagiert besonders stark auf eine bestimmte Person?
Welche Stimme übernimmt in einem Konflikt die Führung?
Welcher Anteil wird in einer bestimmten Situation kaum gehört?
Welche inneren Teammitglieder stehen für unterschiedliche Werte?
So kann aus dem Inneren Team eine umfassendere Coachinglandschaft entstehen.
Was ist der Vorteil des Inneren Teams im Online Coaching?
Das Innere Team eignet sich besonders gut für visuelle und räumliche Arbeit.
In einem virtuellen Coachingraum können die inneren Stimmen gemeinsam aufgebaut, benannt, positioniert und verändert werden.
Die inneren Stimmen werden dadurch voneinander unterscheidbar.
Aussagen können direkt den jeweiligen Anteilen zugeordnet werden.
Mehrere Botschaften eines Anteils können sichtbar gemacht werden.
Beziehungen zwischen den Teammitgliedern werden räumlich erkennbar.
Veränderungen können unmittelbar ausprobiert werden.
Das Innere Team wird nicht nur beschrieben.
Es entsteht als gemeinsame Arbeitsfläche im virtuellen Raum.
Häufige Fragen zum Inneren Team im Online Coaching
Was ist das Innere Team?
Das Innere Team ist ein von Friedemann Schulz von Thun entwickeltes Modell, mit dem unterschiedliche innere Stimmen und Positionen einer Person sichtbar und bearbeitbar gemacht werden können.
Kann das Innere Team auch online eingesetzt werden?
Ja. In einem virtuellen Coachingraum können innere Teammitglieder als Figuren aufgestellt, räumlich positioniert und mit ihren Aussagen verbunden werden.
Warum können mehrere Sprechblasen pro Anteil sinnvoll sein?
Ein innerer Anteil kann mehrere inhaltlich zusammengehörende Botschaften haben. Mehrere Sprechblasen ermöglichen es, diese Aussagen gleichzeitig sichtbar zu machen.
Wann sollte stattdessen ein neuer Anteil aufgestellt werden?
Wenn Aussagen deutlich unterschiedliche Anliegen, Funktionen oder Bedürfnisse repräsentieren, kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob tatsächlich ein weiteres inneres Teammitglied spricht. Diese Entscheidung sollte sich am individuellen Erleben der Klientin oder des Klienten und am Nutzen für den Coachingprozess orientieren.
Sollte jeder Anteil nur eine Aussage haben?
Das ist eine mögliche methodische Arbeitsweise, aber keine technische Vorgabe. In coachingspace kann sowohl mit einer zentralen Aussage als auch mit mehreren Sprechblasen pro Anteil gearbeitet werden.
Ist das Innere Team nur für Entscheidungscoaching geeignet?
Nein. Die Methode kann unter anderem bei Entscheidungen, Konflikten, Führungsthemen, Rollenklärung, Veränderungsprozessen und persönlichen Entwicklungsfragen eingesetzt werden.
Müssen die inneren Anteile vorgegeben werden?
Nein. Die inneren Teammitglieder entstehen aus dem individuellen Erleben der Klientin oder des Klienten. Ihre Namen und Bedeutungen werden im Coachingprozess entwickelt.
Fazit: Wie viele Stimmen hören wir wirklich?
Die Arbeit mit dem Inneren Team hilft dabei, innere Vielfalt sichtbar und bearbeitbar zu machen.
Gerade bei schwierigen Entscheidungen zeigt sich häufig:
Menschen wissen nicht einfach „nicht, was sie wollen“.
Vielmehr wollen unterschiedliche Teile von ihnen unterschiedliche Dinge.
Die Möglichkeit, einem inneren Anteil mehrere Sprechblasen zuzuordnen, kann helfen, seine Botschaften differenzierter sichtbar zu machen.
Gleichzeitig lohnt sich immer die methodische Frage:
Spricht hier wirklich noch derselbe Anteil oder hören wir bereits ein weiteres Mitglied des Inneren Teams?
Darauf gibt es keine pauschale Antwort.
Und genau das ist wichtig.
Denn digitale Werkzeuge sollten professionelles Coaching nicht standardisieren. Sie sollten Coaches und Klientinnen und Klienten die Freiheit geben, die Darstellung zu wählen, die für den jeweiligen Prozess hilfreich ist.
Manchmal hat ein innerer Anteil mehrere Dinge zu sagen.
Und manchmal zeigt die zweite Aussage, dass noch jemand anderes mit am Tisch sitzt.
Beides kann ein wertvoller Ausgangspunkt für den nächsten Schritt im Coaching sein.