Wie digitale Beratungsräume im Coaching sinnvoll gestaltet werden können
Die Arbeit im Coaching hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Viele Gespräche finden heute nicht mehr ausschließlich in persönlichen Begegnungen statt, sondern auch in digitalen Beratungsräumen.
Damit stellt sich für viele Coaches eine zentrale Frage:
Wie lassen sich systemische Methoden im Online-Coaching so nutzen, dass Beziehung, Wahrnehmung und Prozessqualität tragfähig bleiben?
Digitale Räume eröffnen hierfür neue Möglichkeiten. Gleichzeitig erfordern sie eine bewusste Gestaltung – sowohl methodisch als auch technisch.
Dieser Beitrag beleuchtet, wie systemische Methoden online eingesetzt werden können und welche Rolle digitale Methodenräume dabei spielen.
Online-Coaching als eigener Beratungsraum
Online-Coaching wird häufig zunächst mit Videokonferenzen verbunden. Gespräche lassen sich darüber gut führen. Dennoch zeigt die Praxis, dass systemische Arbeit häufig von Visualisierung, räumlichen Perspektiven und gemeinsamen Symbolräumen lebt.
Viele systemische Methoden arbeiten mit:
räumlicher Darstellung von Beziehungen
Symbolfiguren oder Karten
Perspektivwechseln
gemeinsamen Reflexionsflächen
Digitale Methodenräume ermöglichen es, solche Elemente auch online erfahrbar zu machen. Moderne Coachingplattformen schaffen hierfür interaktive Arbeitsflächen, in denen Coach und Klient:innen gleichzeitig arbeiten können.
coachingspace wurde genau aus dieser Idee heraus entwickelt: einen digitalen Raum zu schaffen, der die Erfahrungswelt analoger Coachingmethoden auch online zugänglich macht.
Systemische Methoden im digitalen Coachingraum
Viele etablierte Methoden der systemischen Beratung lassen sich auch online einsetzen. Entscheidend ist dabei nicht die Technik allein, sondern die Haltung, mit der der Raum genutzt wird.
Im Folgenden einige Beispiele.
Das Systembrett im Online-Coaching
Das Systembrett gehört zu den bekanntesten Methoden der systemischen Beratung. Beziehungen, Rollen oder Konflikte werden mithilfe von Figuren räumlich dargestellt.
Im digitalen Raum lassen sich Figuren ebenso positionieren, drehen oder verschieben. Dadurch entsteht eine visuelle Darstellung von Systemen, die neue Perspektiven auf Beziehungen ermöglicht.
Die Entwicklung des Systembretts geht auf Ulrich Wilken und Kurt Ludewig zurück. Ulrich Wilken begleitet auch die Umsetzung des Systembretts im digitalen Raum von coachingspace und bringt seine langjährige Erfahrung in die Weiterbildung ein.
Digitale Varianten des Systembretts ermöglichen darüber hinaus zusätzliche Perspektivenwechsel, etwa den Blick aus der Position einer Figur.
Das Innere Team im digitalen Coachingraum
Ein weiterer häufig genutzter Ansatz im Coaching ist das Modell des Inneren Teams.
Dieses Modell wurde am
Schulz-von-Thun-Institut für Kommunikation entwickelt und beschreibt innere Stimmen oder Persönlichkeitsanteile, die in Entscheidungsprozessen miteinander in Beziehung stehen.
Im Coaching werden diese Stimmen häufig sichtbar gemacht, etwa als Figuren oder Positionen im Raum.
Im digitalen Coachingraum können die einzelnen Anteile dargestellt und gemeinsam angeordnet werden. Dadurch entsteht ein visueller Überblick über innere Dynamiken.
Die Weiterbildung greift diese Methode gemeinsam mit Referent:innen aus dem Umfeld des Schulz-von-Thun-Instituts auf.
Positionierungskarten im Coaching
Kartenarbeit gehört zu den vielseitigen Methoden im Coaching. Karten unterstützen Klient:innen dabei, Themen zu verorten, Perspektiven zu wechseln oder Ressourcen sichtbar zu machen.
Ein Beispiel sind die Positionierungskarten von Coachingcard, entwickelt von Antonia Klein-Nikolaidis. Sie ermöglichen eine visuelle Orientierung im Coachingprozess und lassen sich auch im digitalen Raum nutzen.
Auch die Karte der Befindlichkeiten wird im Online-Setting eingesetzt, um emotionale Zustände sichtbar zu machen.
Digitale Coachingräume ermöglichen es, Figuren auf solchen Karten zu positionieren und gemeinsam zu betrachten. Dadurch entsteht ein dialogischer Prozess über Positionen, Beziehungen und Veränderungsmöglichkeiten.
Schriftbasierte Online-Beratung und Journalarbeit
Neben synchronen Sitzungen gewinnt auch schriftbasierte Online-Beratung zunehmend an Bedeutung.
In coachingspace kann hierfür ein Journal genutzt werden, das Klient:innen zwischen Sitzungen zur Reflexion verwenden können. Gedanken, Fragen oder Erkenntnisse lassen sich dort festhalten und gemeinsam weiterentwickeln.
Die Arbeit mit schriftbasierten Beratungsformaten orientiert sich unter anderem an Erfahrungen aus der Deutschen Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB). Diese hat die Entwicklung digitaler Beratungsformate in Deutschland über viele Jahre begleitet.
Die Zusammenarbeit mit der DGOB hat auch Impulse für Datenschutz und professionelle Rahmenbedingungen digitaler Beratung gegeben.
Datenschutz und digitale Beratungsräume
Digitale Beratung stellt besondere Anforderungen an Datenschutz und Vertraulichkeit.
coachingspace arbeitet mit einer browserbasierten Architektur und nutzt verschlüsselte Kommunikationswege. Inhalte aus Sitzungen werden nicht dauerhaft gespeichert, wodurch Beratungsprozesse vertraulich bleiben können.
Die Plattform wurde unter anderem in Austausch mit Fachstellen der Onlineberatung entwickelt, um professionelle Standards im digitalen Raum zu berücksichtigen.
Weiterbildung für systemisches Online-Coaching
Die beschriebenen Methoden bilden die Grundlage der coachingspace Weiterbildung zum systemischen Online-Experten bzw. zur systemischen Online-Expertin.
Die Weiterbildung umfasst unter anderem:
Arbeit mit dem Systembrett im Online-Coaching
Anwendung des Inneren Teams im digitalen Raum
Einsatz von Positionierungskarten und Impulskarten
Journalarbeit und schriftbasierte Online-Beratung
Gestaltung von Blended-Coaching-Prozessen
Ein besonderer Fokus liegt darauf, Methoden nicht nur kennenzulernen, sondern sie im digitalen Coachingraum praktisch zu erleben.
Die Weiterbildung wird geleitet von Benjamin Lambeck, Lehrender der Systemischen Gesellschaft (SG) sowie systemischer Berater der DGSF.
Darüber hinaus sind mehrere Methodenerfinder:innen und erfahrene Praktiker:innen als Referent:innen beteiligt.
Die Weiterbildung ist außerdem von der International Coaching Federation (ICF) als Continuing Coach Education anerkannt.
Fazit: Systemische Arbeit im digitalen Raum
Digitale Beratungsräume verändern Coachingprozesse nicht nur technisch, sondern auch methodisch.
Sie eröffnen Möglichkeiten, systemische Methoden neu zu erleben:
Beziehungen werden sichtbar
Perspektiven lassen sich verändern
Reflexionsräume entstehen auch zwischen Sitzungen
Entscheidend bleibt dabei die systemische Haltung:
Digitale Werkzeuge sind keine Lösung an sich – sie eröffnen lediglich einen Raum, in dem Beratung stattfinden kann.
Wenn dieser Raum bewusst gestaltet wird, können auch im Online-Coaching tragfähige Prozesse entstehen.
Hier der Link zur Weiterbildung: https://sites.coachingspace.net/weiterbildung-2026