Viele Klient:innen kommen ins Coaching mit einem Gefühl von innerem Feststecken. Zwei Optionen stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber: bleiben oder gehen, entscheiden oder abwarten, anpassen oder abgrenzen. In solchen Momenten wird deutlich, wie schnell sich unser Denken auf ein „Entweder–oder“ verengt.
Eine systemische Methode, die hier neue Beweglichkeit ermöglicht, ist das Tetralemma. Es öffnet den Entscheidungsraum und lädt dazu ein, jenseits der bekannten Alternativen weitere Perspektiven zu erkunden. In coachingspace lässt sich diese Methode besonders anschaulich im virtuellen Raum gestalten.
Das Tetralemma – fünf Positionen statt zwei
Das Tetralemma stammt ursprünglich aus der indischen Logik und wurde später in systemische Beratungs- und Coachingkontexte übertragen. Statt nur zwei Optionen gegenüberzustellen, erweitert es den Raum auf fünf mögliche Positionen:
1. Das Eine
Die erste Option – beispielsweise eine Entscheidung, die bereits im Raum steht.
2. Das Andere
Die scheinbare Alternative zur ersten Möglichkeit.
3. Beides
Die Frage, ob und wie Elemente aus beiden Optionen miteinander verbunden werden können.
4. Keines von beiden
Die bewusste Distanz zu beiden Möglichkeiten. Manchmal eröffnet gerade dieser Schritt neue Klarheit.
5. Etwas ganz anderes
Ein Raum für das noch Ungedachte. Hier können überraschende Lösungen entstehen, die vorher außerhalb des Blickfeldes lagen.
Diese Erweiterung des Denkraums wirkt oft entlastend. Klient:innen müssen sich nicht sofort festlegen, sondern können verschiedene Positionen erkunden.
Räumliches Erleben im coachingspace
Systemische Methoden leben davon, dass Themen nicht nur besprochen, sondern auch erlebt werden. coachingspace stellt dafür einen virtuellen Raum bereit, in dem Figuren, Positionen und Perspektiven frei angeordnet werden können.
Für die Arbeit mit dem Tetralemma bietet sich besonders das Systembrett an. Hier können die fünf Positionen im Raum angelegt werden. Die Klient:in positioniert anschließend eine Figur für sich selbst und bewegt sich gedanklich oder symbolisch von Feld zu Feld.
Durch diese räumliche Darstellung entstehen neue Wahrnehmungen:
Wie fühlt sich die Nähe zu einer Option an?
Welche Distanz entsteht zu einer anderen?
Was verändert sich, wenn die Perspektive gewechselt wird?
In coachingspace können dabei auch Perspektivwechsel genutzt werden: Die Klient:in kann die Ich-Perspektive einer Figur einnehmen und den Raum aus diesem Standpunkt betrachten. So wird erlebbar, wie sich eine Entscheidung aus verschiedenen Blickwinkeln anfühlt.
Ein möglicher Ablauf im Coaching
Ein möglicher Einstieg könnte so aussehen:
Zunächst werden gemeinsam mit der Klient:in die beiden bekannten Optionen formuliert – „das Eine“ und „das Andere“. Anschließend werden die weiteren Felder ergänzt. Alle fünf Positionen erhalten einen Platz im Raum.
Die Klient:in wird eingeladen, ihre Figur nacheinander auf die verschiedenen Positionen zu stellen und zu beschreiben:
Was wird hier sichtbar?
Welche Gedanken tauchen auf?
Welche Gefühle sind wahrnehmbar?
Besonders spannend ist häufig der Moment, in dem die Position „Etwas ganz anderes“ betreten wird. Hier entstehen oft neue Ideen, die vorher noch nicht im Gespräch waren.
Warum das Tetralemma im digitalen Raum gut funktioniert
Digitale Coachingräume eröffnen Möglichkeiten, die über klassische Gesprächssituationen hinausgehen. coachingspace übersetzt bekannte systemische Methoden in eine räumliche und interaktive Umgebung.
Klient:innen können ihre Themen sehen, bewegen und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Das macht komplexe Entscheidungsprozesse greifbarer und unterstützt eine vertiefte Reflexion.
Gerade Methoden wie das Tetralemma profitieren davon, weil sie stark mit Raum, Position und Perspektivwechsel arbeiten.
Fazit
Das Tetralemma lädt dazu ein, Entscheidungen nicht vorschnell zu verengen. Stattdessen entsteht ein Raum, in dem neue Möglichkeiten sichtbar werden.
Mit coachingspace lässt sich diese Methode im virtuellen Raum erfahrbar machen. Figuren, Perspektiven und Positionen schaffen eine anschauliche Grundlage für Reflexion und eröffnen Klient:innen neue Wege, ihre Situation zu betrachten.
So wird aus einem scheinbaren „Entweder–oder“ ein vielfältiger Entscheidungsraum.