August 17. 2026, 12:00:00 am

Systembrett mit Polaritätenkreuz: Vierfeldermodelle und Skalen online aufstellen

Systembrett mit Polaritätenkreuz: Vierfeldermodelle und Skalen online aufstellen

Vierfeldermodelle gehören zum Handwerkszeug in Beratung, Coaching und Teamentwicklung. Meistens leben sie auf einer Folie oder einem Flipchart, jemand erklärt die beiden Dimensionen, und die Gruppe nickt. Was dabei selten passiert: dass die Beteiligten sich tatsächlich in das Modell hineinstellen und von dort aus schauen. Mit dem neuen Systembrett mit Achsen in coachingspace geht genau das, im virtuellen 3D-Raum und mit allen Figuren, die ihr aus der Aufstellungsarbeit kennt.

Was ist neu am Systembrett mit Achsen?

Es sind zwei neue Bretter dazugekommen. Beide haben eine X- und eine Y-Achse, das zweite zusätzlich eine Systemgrenze. Sie stehen neben dem millimetergenau digitalisierten Original nach Ludewig und Wilken, dem runden Brett und den übrigen Varianten zur Auswahl.

Das Entscheidende: Die Achsen tragen keine Beschriftung. Das ist kein Versehen, sondern die Idee dahinter. Ihr legt Moderationskarten an die Enden und beschriftet sie selbst. Damit habt ihr ein leeres Vierfelderschema, in das sich jedes Modell einsetzen lässt, das mit zwei Dimensionen arbeitet, und ebenso jede Frage, die ihr gemeinsam mit der Klientin aufspannt.

Welche Modelle könnt ihr auf die Achsen legen?

Die naheliegende Variante: Ihr legt ein Modell auf, mit dem ihr ohnehin arbeitet, und die Beteiligten verorten sich darin.

  • Riemann-Thomann: Nähe und Distanz auf der einen Achse, Beständigkeit und Wechsel auf der anderen

  • Sach- und Beziehungsorientierung: klassisch für Führungs- und Kulturfragen

  • Wichtigkeit und Dringlichkeit: wenn es um Prioritäten und um die Kriterien dahinter geht

  • Einfluss und Interesse: die Stakeholder-Landkarte vor einem Veränderungsvorhaben

  • Können und Wollen: in der Personalentwicklung und im Führungscoaching

  • Aufwand und Wirkung: wenn eine lange Maßnahmenliste sortiert werden soll

Der Unterschied zur Grafik liegt darin, dass niemand ein Kreuzchen macht, sondern eine Figur setzt, die eine Blickrichtung hat und zu den anderen Figuren in Beziehung steht. Wer in derselben Ecke steht wie zwei Kolleginnen, sieht das sofort.

Wie bildet ihr eigene Achsen aus dem Gespräch?

Interessanter wird es, wenn die Achsen nicht aus dem Lehrbuch kommen, sondern aus der Sitzung. In fast jedem Gespräch tauchen zwei Spannungsfelder auf, die sich benennen lassen, etwa „viel Verantwortung“ gegen „wenig Verantwortung“ und „sichtbar“ gegen „unsichtbar“. Oder „Aufgaben, die mir Energie geben“ gegen „Aufgaben, die Energie ziehen“ und „was andere von mir erwarten“ gegen „was ich selbst will“.

Die Klientin beschriftet die Karten dabei am besten selbst. Schon das Formulieren der Pole ist Arbeit am Thema, und die Begriffe stimmen danach genau, weil sie ihre sind.

Wie nutzt ihr die Achsen als Skala von 0 bis 10?

Die Achsen müssen nicht zwei Gegensätze tragen, sie können auch zwei Skalen sein. Damit lässt sich die klassische Skalenfrage aus der lösungsfokussierten Arbeit zweidimensional stellen: Wie zufrieden bin ich mit dem Ergebnis, und wie zufrieden mit dem Weg dorthin? Wie hoch ist die Wichtigkeit, wie hoch die Zuversicht?

Ein praktischer Kniff dazu: Legt die Werte nicht mit Karten, sondern mit Objekten. Auf der einen Achse Kästen von 0 bis 10, auf der anderen Bälle von 0 bis 10, in der Größe passend zum Wert. Der Grund ist die dritte Dimension. Im virtuellen Raum dreht ihr die Kamera, und beschriftete Karten sind aus der Gegenrichtung schlecht zu lesen. Die Form dagegen bleibt eindeutig. Wer einen Ball sieht, weiß, auf welcher Achse er unterwegs ist, auch aus der Innenperspektive heraus.

Ist-Position und Wunschposition nebeneinander stellen

Sobald die erste Figur steht, lässt sie sich duplizieren. Die Kopie wandert dorthin, wo die Klientin gern stehen würde. Beide Positionen sind gleichzeitig sichtbar, und dazwischen liegt eine Strecke, über die sich sprechen lässt: Wie weit ist das? Welche Achse müsste sich zuerst bewegen? Was passiert mit den anderen Figuren, wenn diese eine sich verschiebt?

Für die Zielarbeit ist das die eigentliche Stärke der Achsen, weil die Bewegung eine Richtung bekommt und nicht nur ein „besser“ oder „mehr“.

Selbstbild und Fremdbild vergleichen

Zwei Figuren für dieselbe Person, eine für die eigene Einschätzung und eine dafür, wo die Klientin sich vom Team oder von der Führungskraft gesehen glaubt. Der Abstand zwischen beiden ist oft das Thema der nächsten halben Stunde.

In Teamsitzungen könnt ihr das umdrehen: Erst stellt sich jede Person selbst ein, dann stellt das Team dieselbe Person noch einmal. Das braucht Vertrauen in der Gruppe, liefert aber Material, an das ein Gespräch allein nicht herankommt.

Was bringt die Innenperspektive auf den Achsen?

Der Schritt, der die Arbeit trägt, ist die Innenperspektive. Ihr könnt eine Figur betreten und den Raum von ihrer Position aus sehen, euch umschauen und die Blickrichtung drehen. Wer aus einer Figur schaut, die weit außen in einer Ecke steht, sieht die anderen tatsächlich weit weg. Das ist etwas anderes, als es erklärt zu bekommen, und es ist der Punkt, an dem aus einer Sortierübung eine Aufstellung wird.

Praxisbeispiel: Riemann-Thomann als Teamaufstellung

Der Fall, für den ich das Brett am häufigsten nutze, ist Riemann-Thomann in der Teamentwicklung. Das Modell beschreibt vier Grundstrebungen, zwischen denen sich Menschen bewegen, und es beschreibt sie ausdrücklich als Tendenzen in einer bestimmten Situation, nicht als Persönlichkeitstypen. Für die Arbeit im Team ist das die entscheidende Voraussetzung, weil es sonst schnell zu Etiketten kommt.

So gehe ich vor:

  • Die vier Pole werden mit Moderationskarten an die Achsenenden gelegt, Nähe und Distanz waagerecht, Beständigkeit und Wechsel senkrecht. Bevor jemand eine Figur setzt, klären wir gemeinsam, was diese Begriffe für dieses Team konkret heißen.

  • Jede und jeder wählt eine Figur und stellt sich selbst ein, zunächst ohne Namensschild. Die Namen lassen sich später einblenden, wenn das Team es möchte.

  • Wir schauen uns das Bild gemeinsam an. Wo häuft es sich, wo steht jemand allein, welche Felder sind leer?

  • Erst danach wird zugeordnet, und zwar freiwillig. Wer erzählen will, warum die eigene Figur dort steht, erzählt.

  • Zum Schluss wechseln wir in die Innenperspektive und schauen aus einzelnen Figuren heraus.

Was dabei sichtbar wird, ist die Vielfalt im Team. Fast immer stehen die Figuren weiter auseinander, als die Beteiligten erwartet hatten. Diese Heterogenität ist zuerst einmal eine Ressource, weil ein Team, das alle vier Felder besetzt, mehr Situationen bewältigen kann als eines, das sich in einer Ecke drängt. Gleichzeitig erklärt das Bild manche Reibung: Wer viel Wechsel braucht, empfindet Beständigkeit als Stillstand, und wer Beständigkeit braucht, empfindet Wechsel als Unruhe. Beides ist legitim, und beides darf benannt werden.

Ein Hinweis zur Brettwahl: Für Riemann-Thomann nehmt ihr das Brett ohne Grenzen. Alle im Team gehören dazu, sie stehen nur an unterschiedlichen Stellen.

Wozu dient die Systemgrenze auf dem zweiten Brett?

Das zweite neue Brett hat zusätzlich zu den Achsen eine Systemgrenze. Damit lässt sich eine Frage stellen, die die Achsen allein nicht stellen können: Wer gehört eigentlich dazu?

Ein Beispiel aus der Organisationsberatung. Auf dem Brett steht ein Team, eingeordnet nach Sach- und Beziehungsorientierung. Außerhalb der Grenze steht eine Figur für den früheren Chef. Er hat geprägt, wie in diesem Team mit Fehlern umgegangen wird, wie viel Kontrolle normal ist und ob man sagt, was man denkt. Er ist längst weg, und jede neue Kollegin lernt seine Regeln trotzdem, ohne ihn je getroffen zu haben.

Solange er nicht auf dem Brett steht, redet das Team über ein Klima, das angeblich niemand gemacht hat. Sobald er dort steht, außerhalb der Grenze und trotzdem sichtbar, lassen sich Fragen stellen. Worüber entscheidet er noch mit? Was haben wir von ihm übernommen, ohne es je gewählt zu haben? Was davon behalten wir, weil es gut ist, und was nur, weil es immer so war?

Eine Grenze sagt nicht, wer Einfluss hat. Sie sagt, wer dazugehört. Das ist nicht dasselbe, und genau diesen Unterschied macht das Brett sichtbar. Es muss dabei kein früherer Chef sein. Es kann die Gründerin sein, der Kollege, der im Streit gegangen ist, in der Familienarbeit der verstorbene Großvater oder ein Ex-Partner. Abwesend heißt nicht wirkungslos. Auch hier ist die Innenperspektive der Schlüssel, weil sich aus einer Figur des Teams heraus sehen lässt, wer nah steht, wer weit weg ist und wer von außerhalb der Grenze mitredet.

So legt ihr das Systembrett mit Achsen an

Beim Anlegen der Methode Systembrett wählt ihr wie gewohnt Name, Figurendesign, Brettdesign und Raumumgebung. Die beiden neuen Bretter findet ihr in der Auswahl der Brettdesigns. Danach beschriftet ihr die Achsen mit Moderationskarten und entscheidet, ob die Klientinnen und Klienten selbst Figuren setzen dürfen.

Für Teamsitzungen zwei Hinweise aus der Praxis: Legt eine Momentaufnahme an, sobald das erste Bild steht, damit ihr am Ende beide Zustände nebeneinander habt. Und plant Zeit für die Innenperspektive ein, mindestens zehn Minuten pro Person, die hineingeht. Der Perspektivwechsel braucht Ruhe, sonst bleibt es beim Anschauen.

Häufige Fragen zum Systembrett mit Achsen

Brauche ich für die Achsen ein bestimmtes Modell?

Nein. Die Achsen sind unbeschriftet, ihr legt die Pole mit Moderationskarten selbst fest. Jedes Modell mit zwei Dimensionen passt, und eigene Dimensionen aus dem Gespräch passen genauso.

Kann ich die Achsen auch als Skala nutzen?

Ja. Statt zwei Gegensätzen legt ihr Werte von 0 bis 10 an, am besten mit Objekten statt mit Karten, damit die Richtung auch bei gedrehter Kamera erkennbar bleibt.

Was ist der Unterschied zwischen den beiden neuen Brettern?

Beide haben dieselben Achsen. Das zweite hat zusätzlich eine Systemgrenze und eignet sich damit für Fragen der Zugehörigkeit. Wenn alle Beteiligten selbstverständlich dazugehören, nehmt das Brett ohne Grenze.

Funktioniert das auch mit größeren Teams?

Ja, wobei die Gruppengröße die Anonymität begrenzt. In einem Team von fünf Personen ist meist schnell klar, wer wo steht. Sprecht das vorher an, statt Anonymität zu versprechen, die es faktisch nicht gibt.

Können Klient:innen die Figuren selbst bewegen?

Ja. Ihr arbeitet gleichzeitig im selben Raum, und jede Person kann Figuren setzen, benennen und verschieben. Für Phasen, in denen nur ihr arbeiten sollt, lässt sich die Bearbeitung vorübergehend sperren.

Eignen sich die Achsen auch für Einzelcoaching?

Ja. Statt Teammitgliedern stellt die Klientin dort ihre Rollen, ihre Optionen oder ihre Aufgaben ein. Auch die Skalierungsarbeit, etwa Wichtigkeit gegen Zuversicht, lässt sich auf den Achsen gut abbilden.

Kostet das Achsenbrett extra?

Nein. Beide Bretter gehören zur Methode Systembrett und sind in eurem bestehenden Zugang enthalten.

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Die beiden neuen Bretter stehen allen Zugängen zur Verfügung. Ihr findet sie beim Anlegen einer neuen Methode unter den Brettdesigns, und ihr könnt sie in der nächsten Sitzung einsetzen, ohne etwas zu installieren.

Ihr arbeitet noch nicht mit coachingspace? Dann lernt die Plattform für Online-Coaching, Beratung und Supervision in unserer kostenfreien Live-Demo kennen. In 90 Minuten führen wir euch durch den virtuellen Beratungsraum, zeigen das Systembrett mit Achsen an einer echten Aufstellung, inklusive Innenperspektive, und beantworten eure Fragen. Alle Methoden laufen DSGVO-konform auf deutschen Servern.

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